In den Gemälden Licht, im Herzen Dunkelheit
Seine Bilder sind heute ein Vermögen wert, doch er selbst lebte und starb in
ärmlichen Verhältnissen: Vincent van Gogh. Beim Künstlertreff im Pfaffenhofener
Rathaus präsentierten Ulrike Maushake und Colin Wilkie ein Portrait des genialen
Malers in Wort und Lied.
Gerade mal ein Bild hat Vincent van Gogh in seinem nur kurzen Künstlerleben
verkauft, und das erst kurz vor seinem Tod. "Während es in seinen Bildern und um
ihn herum langsam heller wurde, führte ihn sein innerer Weg zurück in die
Finsternis", beschreibt Ulrike Maushake den beginnenden Ruhm von van Goghs
Bildern und sein persönliches Ende. Einfühlsam zeichnet sie das Leben des
Malers nach. Die Germanistin und freie Journalistin aus Lauffen liest aus seinen
Briefen die er geschrieben und erhalten hat, schildert seine vergeblichen
Bemühungen, eine bürgerliche Existenz aufzubauen, bis hin zu seinen
gescheiterten Versuchen, eine Familie zu gründen.
Die Zuhörer im fast voll besetzten Sitzungssaal im Pfaffenhofener Rathaus erfahren
alles über Vincent van Gogh, von seiner Geburt am 30. März 1853 - auf den Tag
genau ein Jahr nach der Totgeburt von Vincent-Willem, dem ersten Sohn seiner
Eltern, bis zu seinem frühen Tod mit 37 Jahren.
Von Krankheiten gezeichnet, versucht Vincent van Gogh mit einer Pistolenkugel
aus dem Leben zu scheiden. Doch er kehrt am Abend dieses Tages nur schwer
verletzt in sein Quartier in der Nähe von Paris zurück. Zwei Tage später erst, am 29.
Juli 1890, stirbt Vincent van Gogh in den Armen seines Bruders Theo, der ihn sein
Leben lang finanziell über Wasser gehalten hatte.
Ganz ausführlich schildert Ulrike Maushake die Entstehung von van Goghs erstem
Meisterwerk "Die Kartoffelesser" sowie die Jahre und seinen Lebenswandel als
Künstler in Arles, Südfrankreich. Wie ein Besessener habe er dort gemalt. Bis zu 16
Stunden am Tag. Dieses einzigartige Licht im Süden faszinierte ihn un-
heimlich. Allein über 200 Bilder malte Vincent van Gogh in seinem letzten
Lebensjahr. Insgesamt hinterließ er fast 1700 Stück.
Ebenfalls schon seit vielen Jahren beschäftigt sich auch Colin Wilkie mit Vincent
van Gogh. Der in Pfaffenhofen lebende Gitarrist und britische Songwriter hat alle
Lebensstationen van Goghs in seinen Liedern beschrieben: "Carved in Stone", der verwirrende Anfang eines kleinen Jungen, der seinen Namen "in Stein
gemeißelt" auf dem Grabstein des älteren Bruders lesen muss.
"I'm caged" ("Gefesselt"), oder "If I only knew" ("Wüsste ich nur wie"). Die Erkenntnis
des Malers, ein Magnet der Missverständnisse zu sein, ein Meister im Verlieren,
beschreibt Wilkie mit "Gold into Lead", mit "Potato Eaters" ("Die Kartoffelesser".
"Going South" widmet sich dem Aufbruch nach Arles, "Sunflowers" und "Night Café"
der Zeit in Südfrankreich. Und schließlich das Ende van Goghs: "No More" ("Nie
mehr").
Werner Stuber, Heilbronner Stimme 26. 11. 2002