Presseartikel: Mainz

Colin Wilkie



 

Colin Wilkie - rastloser Troubadour



Folkies mit Gitarre gibt es nicht erst seit Bob Dylan, sondern wahrscheinlich schon seit der Steinzeit. Unzählige Künstler hat das Folk-Revival angeschoben. Es waren die politischen Bewegungen (Gewerkschaften, Anti-Atom- und Friedens- Bewegung), die in den Protestsängern künstlerischen Ausdruck fanden. So waren es all die "Volkssänger" wie Pete Seeger in Amerika und Ewan Maccoll, Alex Campbell - und eben Colin Wilkie auf den Britischen Inseln, die die Dylans, Donovans und Waders erst möglich machten.

Colin Wilkie (70), in Ehren ergrauter "Wandering Troubadour", gab nun im Mainzer Haus der Jugend (HdJ) im Rahmen von Mayence Acoustique eines seiner seltenen Gastspiele. Dass er nicht in jedem Musiklexikon verzeichnet ist, liegt daran, dass Wilkie England mit seiner musikalischen Partnerin und späteren Frau Shirley Hart vor der Beatles-Hysterie verlassen hat und in Frankreich lebte.

Seit 35 Jahren hat er seinen Wohnsitz im Schwäbischen, dessen Sprache er mittlerweile perfekt beherrscht. Die Seelenverwandtschaft der Schwaben und Engländer liegt vor allem in ihrem trockenen, kaum wiederzugebenden skurrilen Humor, der das Publikum Tränen lachen ließ und auch einige Songs durchzog. "Painfully Sad" hingegen waren die Liebeslieder.

Dass große Lieder aus dem Leid des Sängers entstehen, ist ja nur die halbe Wahrheit. Voraussetzung ist die solide Beherrschung verschiedenster Gitarrenstile und Gesangstechniken, sowie ein Gespür für aufwühlende Themen und mitreißende Melodien.

Nach 50 Jahren auf der Bühne beherrscht Colin Wilkie sein Handwerk im Schlaf; er schöpft aus hunderten Songs, geht auf Publikumswünsche ein - und ist oft selbst überrascht über die Haken, die er schlägt. Lieder über Walfischfang und den Ausverkauf der Natur wechseln sich ab mit mythischen Songs des schottischen Dichters und Liedersammlers Robert Burns.

Nach drei Stunden Konzert, das der Wader-Epigone Frank Bode eröffnet hatte, schloss Wilkie mit dem durch Hannes Wader (als "Manche Stadt") bekannt gemachten "One more city".


Allgemeine Zeitung Mainz


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